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UX MEETUP METROPOLE RUHR

5 Fragen an Michael Jendryschik


Das UX Meetup Metropole Ruhr war am 9. Januar 2020 zu Gast im Design Center. UX Professionals und Interessierte diskutierten mit Speaker Ingo Waclawczyk: Wie funktioniert Kommunikation im digitalen Zeitalter? Wie wird digitale Technik „menschenfreundlicher“? Innerhalb des UX Meetups durften die Besucher an einem Experiment mit drei unterschiedlichen Chatbots teilnehmen.
Das UX Meetup ist im Ruhrgebiet bisher einzigartig – wir sprechen mit Veranstalter Michael Jendryschik darüber, wie er zum Thema UX und zum Meetup der regionalen Gruppe gefunden hat.
 

Was war ausschlaggebend dafür, dass du dich für das Thema UX interessiert und entschieden hast?

M. Jendryschik: Schon einfachste Software kann uns zur Weißglut treiben, wenn sie nicht so funktioniert, wie wir erwarten. Das Handwerk des UX Professionals ist es, Software zu gestalten, die Menschen hilft, ihre Ziele zu erreichen – und das so, dass das damit verbundene Nutzungserlebnis so positiv wie möglich ist. Diese Aufgabe wird immer wichtiger, je komplexer und intelligenter Software wird und je tiefer sie sich in unseren Alltag verankert. Der Ansatz besteht darin, Ausgangsbedingungen zu entwerfen, die von Anfang an den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Von Anfang meint tatsächlich direkt von Beginn an – bereits wenn erstmalig über die strategischen Ziele, die Vision und Rahmenbedingungen eines Produkts gesprochen wird; konsequent mit klar formulierten Fragestellungen aus Perspektive der Menschen, die mit der Software interagieren.
Sobald transparent ist, wer welchen Aufgabenstrang mit der Software durchläuft und welche Information und Interaktion dazu notwendig sind und welche Motivationen dahinter stecken, ist eine hohe UX kein Zufall mehr, sondern das Resultat eines kreativen Designprozesses und einer gekonnten technischen Umsetzung.

Es gibt immer mehr UX Professionals – oder „Design Thinker“ oder „Digital Designer“ oder wie auch immer wir Menschen nennen, die bei der Digitalisierung den Menschen und seine Erfordernisse in den Mittelpunkt stellen. Immer mehr Unternehmen stellen UX Professionals ein oder bauen eigene Abteilungen auf. Und das finde ich auch richtig! Ich glaube tatsächlich, dass UX Professionals zu den wichtigsten Berufsgruppen der kommenden Jahrzehnte gehören.
Denn technische Möglichkeiten in Beziehung zu setzen zum konkreten Nutzen für den speziellen Kontext – das interessiert keinen Informatiker, keinen Experten für Künstliche Intelligenz oder Big Data und leider auch die wenigsten Produktmanager. Das machen UX Professionals, und das ist auch genau das, was ich machen wollte und will.


Wie war dein persönlicher Einstieg – und wo?

M. Jendryschik: Bereits während meines Studiums der Allgemeinen Informatik faszinierte mich die Schnittstelle zwischen Menschen und Software. Diese gestaltete ich in den folgenden Jahren zunächst als Entwickler von Websites und Online-Shops, später in der Leitung von Web- und E-Commerce-Projekten. Die Anfänge waren damals bei der getit GmbH, viele Jahre bevor KPS die GmbH übernahm, und später bei der itemis AG. In dieser Funktion nahe an den Anforderungen der Kunden, Anwender und Nutzer erkannte ich das Potenzial der menschzentrierten Entwicklung von Software-Anwendungen und wollte nichts Anderes mehr machen.
In den folgenden Jahren sammelte ich theoretisches und praktisches Wissen auf diesem Feld, zum einen durch Zertifizierungen als Usability Engineer (Fraunhofer FIT) und als Professional für Usability und User Experience (UXQB), zum anderen als UX Engineer und Berater bei der Entwicklung von Software-Anwendungen für unterschiedliche Unternehmen, Kunden und Projekte.
 

Speaker Ingo Waclawczyk und Veranstalter Michael Jendryschik beim UX Meetup im Design Center am Phoenix See

Warum engagierst du dich dafür, dass das UX Meetup im Ruhrgebiet stattfindet?

M. Jendryschik: Interaktive Anwendungen werden immer häufiger eingesetzt und gleichzeitig ständig weiterentwickelt – in immer kürzer werdenden Zyklen. Software ist überall integriert, sowohl in unserer Freizeit als auch bei der Arbeit ist sie ein wesentlicher Bestandteil, ob zu Hause oder unterwegs. In allen wirtschaftlichen Bereichen begegnen wir der Digitalen Transformation. In immer kürzeren Abständen erscheinen neue Geräte mit innovativen Interaktionsmodellen, nehmen wir zum Beispiel die Apple Watch oder Sprachsteuerungssysteme wie Amazon Alexa. Wie soll man das alles allein bewältigen?

Wir brauchen heute mehr als je zuvor stabile Netzwerke für unseren Wissens- und Erfahrungsaustausch. Wir brauchen andere Menschen um uns herum, die sich mit denselben Dingen beschäftigen wie wir, mit denen wir uns austauschen können. Wir suchen nach Menschen, die uns auf neue Gedanken bringen, oder vielleicht zunächst Ordnung in unsere Gedanken bringen. Wir wollen gemeinsame Maßstäbe für Qualität, ein gemeinsames Verständnis für Prozesse, für Methoden finden – und einfach Spaß daran haben, mit anderen leidenschaftlichen UX Professionals zusammen zu arbeiten. Die GermanUPA ist dafür der richtige Ansprechpartner – nämlich der Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals. Es gibt Arbeitskreise, Regionalgruppen und Regionalgruppentreffen.
Als ich vor einigen Jahren zu einem dieser Treffen im Ruhrgebiet gehen wollte, musste ich feststellen, dass es keine aktive Regionalgruppe gab. Also habe ich selbst eine gegründet, die UX Metropole Ruhr. Unser Ziel ist es, die Themen User Experience, Usability und Design im Ruhrgebiet zu leben und voranzutreiben.
Das UX Meetup Metropole Ruhr findet regelmäßig und dabei in wechselnden Lokalitäten statt. Hier kann man sich Netzwerke aufbauen und in lockerer Atmosphäre austauschen. Egal ob Anfänger oder Senior Manager, ob man einfach interessiert ist oder Software entwickelt – jeder ist willkommen und eingeladen, mit uns über UX, Produkte und Design zu diskutieren.


Welche Themen im UX-Bereich sind für dich die spannendsten?

M. Jendryschik: In allen meinen beruflichen Stationen habe ich „Schnittstellenfunktionen“ übernommen, sei es zwischen Design und Entwicklung, Kunden- und technischen Anforderungen oder Management und operativen Teams. Sobald man UX ganzheitlich betrachtet, den gesamten Prozess, ergibt sich das zwangsläufig; gerade in gut funktionierenden Teams bzw. Unternehmen mit hoher UX-Reife. Das ist das, was mich treibt: Teams und Organisationen dabei zu helfen, bessere Produkte und Services zu entwickeln, indem ich sie Schritt für Schritt hin zu maximaler Nutzerzentrierung begleite.
 

Welches Ereignis oder welche Präsentation hat dich so beeindruckt, dass sie dich in eine bestimmte Richtung gelenkt hat? Was aus dem UX-Bereich sollte man unbedingt gesehen haben?

M. Jendryschik: Ganz klar die Tagungsreihe „Mensch und Computer“, Jahr für Jahr immer wieder. Vier vollgepackte Tage mit zahllosen Workshops, Tutorials und Talks – und sozusagen das jährliche „Klassentreffen“ der UX Professionals aus dem deutschsprachigen Raum.
Die nächste Konferenz findet Anfang September in Magdeburg statt und man wird mich auch in diesem Jahr wieder dort treffen können.

Man sollte grundlegend verstanden haben, was UX ist und welchen Wert eine menschzentrierte Entwicklung hat – für jeden, nicht nur für die Endnutzer, sondern auch für Service-Anbieter und Hersteller-Unternehmen. Es gibt keine Maßnahme, die einen höheren Return on Investment mit sich bringt als UX-Aktivitäten. Wenn man das verinnerlicht hat, ergibt sich der Rest von ganz allein.

Wir bedanken uns für an dieser Stelle für das MeetUp in unseren Räumen und für das Interview!
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